WSOP Ladies Event 2007

Vom Pokeramateur zum Finaltable der WM in Las Vegas



Hier schreibe ich, Frauke Ritter von Sporschill, ein Mitglied vom DPV über meinen Erfolg bei den diesjährigen WSOP in Las Vegas. Ich habe es bei meiner 1. Teilnahme bei den WSOP geschafft, deutsche Pokergeschichte zu schreiben, indem ich als Chipleaderin an den Final Table des Event 17, Ladies Championship($1000NLHE) gekommen bin. Das gelang vor mir noch keiner deutschen Pokerspielerin und das als Amateurin, die ich auch nach dem Erreichen des 6.Platzes weiterhin bin.

Frauke Ritter von Sporschill bei der WSOP

Aber zurück zum Anfang. Der war ca. vor 2 Jahren, als mein Mann ein Wochenende, incl. Buyin und Übernachtung in Kufstein gewann und ich ihn begleitete. Dort war ich das einzige weibliche Wesen unter all den Zockern. Und so kam was kommen musste,ich nahm meinen Mut zusammen, mein Geld aus der Tasche und fing an,mich am Tisch mit all den Kerlen und den Karten und dem Spirit des Pokerspiels zu befassen. Fasziniert vom Pokern und der Atmosphäre in Kufstein (und um einige Euros erleichtert, schließlich gehört das dazu, dass man Lehrgeld zahlt),kehrten wir in den hohen Norden,nach Norderstedt zurück. Hier wurde sich schon mal auf der ein oder anderen Pokeroberfläche angemeldet. Mein Mann, ein cooler Stratege baute seine Spielweise weiter aus. Für mich blieb es ein Hobby, neben meinem Fulltimejob und all den anderen Hobbies. Dann kam die Einladung nach Petrovicze, kurz hinter der deutschen Grenze, wo wir die lieben Jungs wie Arthur und Carsten kennen lernten. Ich glaube, Arthur träumt heute noch von meiner Schultermassage!Hier machten Sven und ich die Bekanntschaft mit Martin Pott, der heute als mein Mentor eine super große Unterstützung für mich ist.

Während Petrovicze und Las Vegas geschah nicht viel im Life Pokern. Zu Hause am Laptop sammelte ich meine meisten Erfahrungen, sowohl im Cashgame als auch im Turnier. Im September 2006 meldete ich mich bei einem Turnier bei Poker4ever an, wo ca.1000 Spieler teilnahmen und pokerte die ersten Levels, während ich bügelte. Als immer weniger Spieler im Spiel waren und ich meine Chancen realisierte, musste die Wäsche daran glauben. Beim Einzug an den Final Table in diesem Onlineturnier nahm ich mir von diesem Moment an vor,um jeden Platz zu fighten. In dieser Zeit kam mein Mann nach Hause und gesellte sich zu mir, in´s Arbeitszimmer, unfähig sein Laptop zu starten, denn ich war Heads-Up. Hier kam mir zu Gute, dass wie bereits erwähnt mein Mann mehr spielte und seine Hände bzw. sein Spiel oft von Martin Pott analysiert wurden. Diese Infos erhielt ich auch und an diesem Tag,im September06,halfen sie mir, das Turnier zu gewinnen und ein Preisgeld von $950 auf mein Nettellerkonto einzufahren. Das war mein Startgeld für das Ladiesevent der WSOP 2007!

Am 07. Juni 07 ging die Reise nach Las Vegas los.

Da ich bei Deutschlands Airline Nummer 1,die Deutsche Lufthansa, arbeite, waren wir mit Standby-Tickets ausgestattet, die uns zwar ermöglichten, günstig zu fliegen, aber eben nur, wenn Platz in dem Flugzeug ist. Die letzten Tage vor der Reise habe ich die Buchungszahlen gecheckt, um beim ersten Flug nach L.A. mit dabei zu sein. Das klappte auch super und wir genossen den Flug in vollen Zügen.

Von L.A. nach Las Vegas hatten wir normale Tickets, wie jeder andere auch und am Nachmittag kamen wir endlich in dieser Spielermetropole an.

Für mich ist es jedes Mal ein Eintritt in ein anderes Leben, eine andere Welt. Unser Quartier hatten wir im Luxor, wo man für 5 Stunden Spiel pro Tag eine Special Zimmerrate erhält.

Bei unseren anderen Trips in der Spielerstadt benötigten wir keinen Leihwagen. Dieses Mal hatten wir über ADAC einen gebucht und das war von hohem Nutzen.

Am nächsten Tag,dem 08.Juni07, ging es bereits in´s Rio Hotel und Casino,um die Lage zu peilen.

WOW ich war beeindruckt von den Ausmaßen des Raumes und der Organisation und dann sah ich all die Profispieler, die ich nur aus den Medien kannte. Da saß Phil Helmuth direkt vor mir und dort sah ich Doyle Bronson und dann sah ich eine Frau und wusste sofort, dass ist Katja Thater. Noch nie zuvor habe ich sie gesehen, aber unter all den anderen sticht sie mit ihrer hanseatischen Schönheit, und das meine ich ernst, aus der Menge heraus. Sven und ich sind erst einmal zur Anmeldung gegangen und haben die Kohle auf den Tisch gelegt. Sven hat sich für 2 Turniere angemeldet und ich mich nur für mein Ladiesevent. Da möchte ich noch erwähnen, dass Sven von SunPoker.com über eine Promotion neben Startgeld auch noch Bargeld gewonnen hatte und sich für 2 Turniere a $1500 entschied.

Nachdem wir mit der Anmeldung fertig waren, ging ich in den Saal zurück und musste kurze Zeit später miterleben, wie Katja aus dem laufenden Turnier flog. Mit meinem Talent, in den unmöglichsten Momenten andere Menschen anzuquatschen, schaffte ich es auch jetzt, Katja anzusprechen und mich vorzustellen. Schließlich haben wir einen gemeinsamen Bekannten, den Martin Pott und er ließ Grüße an sie bestellen.




Außerdem wollte ich sie wissen lassen, sie ist am 10. Juni 07 nicht allein als Deutsche beim Ladiesevent...!

Am nächsten Tag, den 09.06.07, ging es für Sven los, sich gegen 3200 andere Pokerspieler/innen zu bewähren. Das dauerte gerade 4 Stunden und dann waren die Chips weg.

Und so rückte mein Start näher. Robin,der Vertreter von SunPoker.com stattete auch mich mit T-Shirts und wärmenden Fleecejacken aus. Und nicht lächeln, ich brauchte die warmen Jacken, denn obwohl die Außentemperatur in Las Vegas Rekordhöhe von 110 Fahrenheit (41°C) erreichte mit 4% Luftfeuchtigkeit, war der Saal auf gefühlte minus 10°C runter gekühlt. Anzumerken sei hier, dass der Saal ein Fassungsvermögen von mehr als 3000 Menschen hat und wenn diese ihre Körperwärme an die Umwelt abgeben, wurden es zwischenzeitlich auch Plusgrade im Saal.

Bevor ich zum Turnierbeginn aufbrach, fragte ich Robin, was es bei SunPoker.com gäbe,im Falle, ich erreiche den Final Table?Seine Antwort:pro Minute, welche ich im TV gezeigt werde,erhalte ich $1000.Naja das war doch schon mal etwas.

Und dann war ich schon mitten im Turnier, an dem 1286 Frauen gestartet sind, unter anderem auch die Vorjahressiegerin Mary Jones Meyer und die 2-fache Bracelettgewinnerin Susie Isaacs.

Kurz nach Beginn holte ich meine Ohrstöpsel aus der Tasche und steckte sie mir in die Ohren. Das war eine Ruhe. Die laute Geräuschkulisse war nur noch ein Murmeln und meine Konzentration war ungestört. Nach ca.1 Stunde hatte ich meine erste gute Starthand AKs und damit verlor ich gegen ein kleines Pocketpair. Das war nicht gut für´s Gemüt aber es half nichts, ich bin ein Stehaufweibchen und so habe ich mein Spiel von tight in supertight gewechselt. Dann kamen die ersten Tischzusammenlegungen und nach 4 Stunden,16.00 Uhr Ortszeit,war das Feld halbiert. Mittlerweile saß ich an einem Tisch, wo das Publikum hinter mir in meine Karten sehen konnte. An meinen Tisch super aggressive Damen, die mit für mich unverständlichen Karten viel zu viel riskierten. Ich hielt in der Blind AQs und von einer Mittelposition aus gab es ein Raise auf 3xBB.Ich habe gecalled und Flop kommt Q 8 4.Ich checke und die Ladie schiebt den Rest ihrer Chips in die Mitte .Zwar waren es nicht mehr als ich hatte, aber diese Entscheidung bedurfte einer kleinen Pause. Was hat sie, schoss es mir ständig durch den Kopf?Wenn die Logik nicht mehr funktioniert, lasse ich vom Gedanken los und so habe ich den Bet gecalled. Sie hatte Q 2os und meine Hand hielt stand und ich baute mir damit ein kleines Polster auf. Dann war Dinnerbreak und Sven sollte so langsam wieder erscheinen, denn ich fühlte mich ganz schön allein und müde. Er ist zwischenzeitlich zurück in´s Hotel, wo er an einer Promotion teilnahm,bei der er am Schop-Schop teilnimmt. Diese geht bis 19.00Uhr und unsere Pause war von 19.30 - 21.00Uhr.Kurz vor 20.00 Uhr war Sven auch wieder da und da er freute sich sehr, dass ich noch im Turnier war.

Um mich zu erholen, legte ich mich für 10 Minuten in´s Auto und erholte mich. Dann ging es weiter, bis 2.00 Uhr morgens. Ich kam dann an einen Tisch, wo ich neben Chris (Jesus) Ferguson saß und mit ihm Blickkontakte hatte. An diesem Tisch hatten 2 Ladies sehr viele Chips, als ich zum Tisch kam und ich beobachtete beide. Mein Ziel war es, deren Chips auf meine Seite zu bringen, nur musste ich meine Chance abwarten. Nach ca. 2 Stunden war es dann soweit. Während dieser Zeit schafften alle noch Anwesenden den Sprung in´s Geld. Das war ab dem 99.Platz. Und das wurde in amerikanischer Manier, sehr lautstark und mit viel Frauengeschrei gefeiert.

Mittlerweile konnte ich dank der Monitore sehen, wie mein Chipstand in Vergleich zu den teilnehmenden Profis aussah. Später in einer Kurzpause traf ich auf eine der Ladies,sie heißt Cheryl, deren Chips ich mir peu à peu aneignete.

Sie gratulierte mir zu meinem Spiel und wünschte mir weiterhin viel Erfolg. In diesem Moment spürte ich einen dicken Kloß in meinem Hals, denn hier stand eine gute Pokerspielerin, die auch schon so manchen Erfolg errungen hatte und sie gratulierte mir zu meinem guten Spiel!Das Beste an der Situation war, mein Mann stand direkt daneben und konnte alles mitverfolgen.

Zurück am Tisch hielt ich an meiner Strategie fest, meine Karten zu spielen aber jetzt deutlich mit mehr Druck, da ich am Tisch Chipleaderin war. Das zeigte Wirkung und nach und nach verabschiedete sich eine nach der anderen. Am Ende des 1.Turniertages verblieben 64 Ladies im Spiel, die am nächsten Tag um 14.00Uhr weiterspielen durften.
Am nächsten Tag spielte ich mit hoher Konzentration weiter,das konnte auch Scoty Ngygen nicht ändern, als er zum Tisch kam und mir die Hand reichte mit dem Satz."Hi babe, how are you?".Danach begrüßte er meine Nachbarin, welche eine Bekannte von ihm ist. Der Tag war gezeichnet von großen Moves und dramatischen Karten. Meine Schlüsselhand:ich habe am Cutoff JJ und Raise auf 30 000.

Daraufhin geht die Vorjahressiegerin Mary Jones all in und die BB mit Short Stack geht auch all in. Jetzt musste ich erst einmal nachdenken. Dass die BB all in ging, hieß für mich sie hat A irgendwas, aber bei Mary Jones habe ich gedacht AKs oder AQ. Und so überlegte ich, ich habe bereits ein Paar und die Wahrscheinlichkeit, dass noch ein 3.Ass für die beiden kommt am Tisch mit 8 Spielerinnen war gering. Also callte ich und in dem Augenblick,als Mary ihre Karten zeigte, Pocket Rocket, sprang ich auf und stürmte davon. Das konnte ich nicht mit ansehen!


Wenige Sekunden drangen Rufe zu mir, die mir sagten, Frauke you win, come back. Das Unfassbare geschah, denn auf den River kam der Drilling für mich und damit eliminierte ich 2 Spielerinnen in einer Hand. Jetzt waren wir nur noch 14 im Turnier und es mussten noch 5 raus, da der Final Table mit 9 Spielerinnen gespielt wurde. Mit einem Paar Damen schickte ich die 10. Dame nach Hause. Von diesem Zeitpunkt war ich die Chipleaderin, die am nächsten Tag an den Final Table als erste deutsche Amateurin ging! Und da waren auch schon Vertreter von Intellipoker und vom DSF, die mich zum Kurzinterview baten. Mein Sven hat den gesamten Tag zugesehen und ich glaube, er hat mehr gelitten als ich und so manche meiner Entscheidungen haben ihm einige Jahre von seiner Lebenserwartung geraubt.

Aber nun war das eingetroffen,was ich vor 48 Stunden angesprochen hatte.

Im Hotel habe ich mich bettfertig gemacht und schwupdiwup bin ich in Tiefschlaf gefallen. Sven hat sich noch Tage später beschwert, wie ich in aller Ruhe so einfach schlafen kann,wo er so aufgeregt sei. Er hat bereits am Tag Martin Pott über meinen Turnierverlauf unterrichtet und jetzt waren da,incl. meines Mannes, 2 aufgeregte Männer.

Am nächsten Morgen kam das Kamarateam der Produktionsfirma vom DSF in´s Hotel und nahmen uns während unserer Vorbereitungen für diesen Tag auf. Wir wissen nicht wirklich,ob die Reportage über das Pokern je im DSF gesendet wird,aber für alle Fälle sind ein paar Aufnahmen gemacht wurden.

Im Rio angekommen, trafen wir uns mit Robin von SunPoker.com und informierten ihn über die Tatsache, dass ich tatsächlich am Final Table bin. Mittlerweile überstürzten sich die Ereignisse, denn erst sollte der Finaltable im ESPN-TV gezeigt werden und dann stand fest, dass

es im Internet gegen Cash ($49.50),mit 1 Stunden zeitversetzt, gezeigt wird.

Genau in dieser Zeit erreichte mich ein Anruf von PokerStars.net, die mir Geld boten, wenn ich mit deren Klamotten am Finaltable spiele. Mein Ehrencodex sagte mir,ich frage erst Robin, wie er zu dem Angebot steht bevor ich meine Entscheidung fälle. Für Robin gab es kein Grund zum Nachdenken und so sagte er mir auch den Betrag zu. Also wieder telefonieren mit Benjamin von PokerStars.net und nach meiner Absage erhöhte er den sein Angebot .Auf meine Frage, wie hoch er noch gehen würde, da immerhin in 50 Minuten das Turnier anfängt, meinte er das wäre das Limit. Ok ich also wieder um Bedenkzeit gebeten und Robin gefragt. Er wollte auch wissen,wie hoch PokerStars.net noch gehen würde und da ich bereits die Antwort kannte,akzeptierte er die Summe und gab mir seine Hand darauf. Der Deal war somit in trockenen Tüchern und ich teilte es noch PokerStars.net mit. Von einem der Kamerajungs erhielt ich die Info,dass meine Entscheidung falsch wäre, falls ich irgendwann in die Profiszene wechseln würde. Auch wenn ich glaube das meine Entscheidung richtig war, hoffe ich natürlich, dass ich mir damit nicht alle Türen bei Pokerstars verschlossen habe.

Also spiele ich auch am letzten Tag der Weltmeisterschaft im Frauenpoker 2007 in Outfit von SunPoker.com.

In die Blackbox, wo unser Finaltable gespielt wurde, durfte pro Spielerin eine Begleitperson als Zuschauer mit rein. Da Randi Calabro niemanden dabei hatte,nahm sie Robin als ihre Begleitperson mit und ich hatte Sven dabei.

Das Spiel begann und nach nur 20 Minuten gab es die erste entscheidende Hand bei mir, die den weiteren Verlauf stark beeinflusst hat.

Ich hatte AKs und Kathleen Gliva in Mittelposition raised. Daraufhin Reraise ich von hinterer Position und Kathleen geht all in. Ich überlege und calle. Sie hat AKs in Pik und eigentlich könnte man davon ausgehen, es wird ein Split-Pot, aber wir spielen Poker und so kommt für sie ein Flush auf den Turn und ich verliere ein Viertel meiner Chips. Danach erhielt ich über die weiteren 3 Stunden hin die grausamsten Karten, 83,92,J2 usw.

Wer mir nicht glaubt,klickt sich unter: www.worldseriesofpoker.com ein,

geht auf Finaltable und sucht Event 17.Da kann man den Finaltable ansehen,über 8 Stunden!

Während der gesamten Zeit hat Katja Thater den Tisch dominiert mit ihrer aggressiven Spielart. Meine Position am Tisch war auch nicht optimal, denn nach mir kamen Vanessa Selbst und Katja, von denen ich zu recht den ein oder anderen Angriff erwarten konnte.

Und so schrumpfte mit den Blinds mein Chipstack mehr und mehr. Dann kam die Dinnerbreak und danach kam bald mein Aus auf dem 6.Platz.

Gerne hätte ich das Bracelett mitgenommen, aber nach 2 Tagen, wo ich das Poker meines Lebens gespielt habe, hatte mich das Kartenglück und das Feeling für den Tisch verlassen.

Und doch bin ich stolz, das erreicht zu haben und im Nachhinein realisiere ich, welchen Stellenwert die Teilnahme am Finaltable bei den WSOP in Las Vegas hat!

Und das Preisgeld ist auch nicht zu verachten.

Allen, die sich bis zum Ende des Berichtes gekämpft haben, sage ich danke für das Interesse und wünsche Allen viel Glück und ein gutes Blatt!

Eure Frauke RvS!